Avery vs. Brodeur: Rückkehr eines Hassduells

Es lässt sich wohl nicht mehr vermeiden. Sean Avery ist auf dem besten Weg zurück in die NHL. Und das ausgerechnet für die New York Rangers. Das ist sogar noch schlimmer, als wenn ihn Dallas behalten hätte. Averys Transfer zum Wolf Pack nach Hartford ist nur der erste Schritt in Richtung offensichtlicher Zukunft: Spätestens zur Crunch Time in den Playoffs schlüpft die „Pest“ wieder ins alte Blueshirt.

Just am Valentinstag stand der so gar nicht friedliebende Unruhestifter zum ersten Mal seit jenem 2. Dezember, der ihn seine Karriere als Dallas Star gekostet hatte, wieder auf dem Eis. Gab dort prompt den Geläuterten. Und zeigte zugleich, dass er immer noch der Alte ist: „Ich hab ein paar Sachen auf dem Eis gesagt. Aber nichts Schlimmes, oder gar etwas, das der alte Sean gesagt hätte“. Dazu das faule Avery-Grinsen und schon war er wieder da. Keine Frage: Dieser Bursche hat Charisma. Geld und Status alleine reichen (hoffentlich) nicht, um Fische wie Elisha Cuthbert an Land zu ziehen. Wäre Avery in der NBA oder der NFL zuhause, er fiele mit seinen Sager nicht einmal auf. Doch Avery war (und wird es bald wieder sein) Teil der Saubermann-NHL. Keine Major League wird stärker als Familienevent verkauft, nirgends sitzen mehr Kinder an Eisfläche und Fernsehgeräten und suchen sich früh ihre Idole aus. Als Anstachler auf dem Eis mag Avery perfekt sein. Als Vorbild ist er es nicht.

Sean Avery vs. Martin Brodeur, Eastern Conference Viertelfinale 2008

Sean Avery vs. Martin Brodeur, Eastern Conference Viertelfinale 2008

Die Rangers dürfen sich freilich die Hände reiben. Holen sie Avery zurück ins Boot, kommt er ihnen vergleichsweise günstig. Verscherbelt um 15,5 Millionen US-Dollar – definitiv weit über seinem Marktwert (genialer im Vermarkten als Avery selbst ist nur noch sein Agent Pat Morris, der wohl auch einem Milchbauern Kuhdung zu völlig überzogenen Preisen andrehen könnte) – können sie ihn jetzt als Schnäppchen zurückholen. Das Regelwerk der NHL will es so, dass ein aus der höchsten Spielklasse in die AHL abgeschobener Spieler bei seinem Wiedereinstieg in die Liga für ein anderes Team weiterhin das Salär aus seinem Vertrag bekommt. Der Witz daran, den die Stars schon lange nicht mehr lustig finden: Das alte und das neue Team finanzieren den Spieler für den Rest seiner Vertragsdauer zu gleichen Teilen. Die Dallas Stars dürfen sich demnach schon darauf freuen, in den kommenden drei Saisonen insgesamt sechs Millionen Dollar dafür hinzublättern, dass Avery sein Unwesen wieder in Manhattan treibt. Sein Einsatz bei den Rangers ist wohl nur noch eine Frage der (kurzen) Zeit. Ein lachendes Auge bleibt dennoch: Hatten die Stars (immerhin als Cup Contender gehandelt!) vor dem 2. Dezember einen inferioren 8-11-4-Start, sind sie Avery-los höchst erfolgreich (aktuell steht das Team bei einem Record von 19-10-3). Lieber zwei Millionen pro Jahr für ein Phantom ausgeben und erfolgreich sein, als das Doppelte für jemanden hinzublättern, der das gesamte Team hinunterzieht.

Sean Avery ist nicht der einzige prominente Rückkehrer dieser Tage. Auch Martin Brodeur steht kurz vor seinem ersten Spiel seit seiner Bizeps-Verletzung im November. Mit dem plötzliche Aus ihres Goalies standen die New Jersey Devils medial vor dem Abgrund – und fliegen heute höher, als sie es sich wohl selbst erwartet hätten. Brodeurs Backup Scott Clemmensen vertrat die lebende Torhüter-Legende mehr als würdig und wird es Coach Brent Sutter um einiges leichter machen, Brodeur nicht gleich ab ende Februar wieder voll einzusetzen. Dennoch: Spätestens Mitte April, wenn die Playoffs beginnen, wird sich Clemmensen endgültig wieder sein Platzerl auf der Ersatzbank einrichten und seinen Sommerschlaf beginnen dürfen. Brodeur und Avery sind wieder dick da, wenn es in der NHL so richtig ernst wird: Keine schwierige Prognose. Für die Rivalität zwischen Rangers und Devils eine Extraportion Schießpulver, war es doch Sean Avery, der mit seinem unsportlichen Verhalten vor Brodeurs Tor in der vergangenen Postseason sogar für die Einführung eines eigenen Regel, der „Sean Avery Rule“ gesorgt hatte.

Brodeur gab nach dem schnellen Ausscheiden seiner Devils zu, der Medienhype rund um sein Duell mit Avery hätte ihn nervlich zerfressen und an seinem Spiel genagt. Keine gute Voraussetzung für die in diesem Jahr so selbstsicher und eingespielt wirkenden Devils. Denn dass sich diese beiden Teams auch in den kommenden Playoffs irgendwann gegenüberstehen werden, ist nicht unwahrscheinlich. Und Averys diabolisches Grinsen wieder ständig im Blickfeld zu haben, wird Brodeur dann mehr schmerzen, als seine Ellbogenverletzung vermutlich jemals zustande gebracht hat.“

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