Der Coach, der Hattrick und die Strafe der Hockeygötter

Thomas Vanek wurde also von ganz oben bestraft. Das ist zumindest die Meinung von CBC-Lästermaul Don Cherry, der sie in seiner allsamstäglichen Drittelpausen-Show „Coach’s Corner“ in den Äther gepoltert hat. „Die Eishockey-Götter werden dich bestrafen, wenn du  versuchst, das Ergebnis gegen ein hilfloses Team mit einem Rookie-Goalie in die Höhe zu treiben“.


 

(Ab 3:30 Minuten wird’s interessant. Das heißt natürlich nicht, dass Don Cherry davor noch nicht geschimpft hätte.)


 

Cherry richtete seine Kritk nicht nur gegen den Topscorer der Buffalo Sabres, sondern auch gegen dessen Coach Lindy Ruff. Dass ihn mit Ruff eine langjährige Freundschaft verbindet, störte Cherry in diesem Moment freilich wenig.


Schimpf ohne Schande


 

Aber auch im Nachhinein tut dem Ex-Coach der Boston Bruins selten etwas leid, was er live auf Sendung gesagt hat. Selbst für seine Kritik an Alpo Suhonen, 2000 Trainer der Blackhawks, hat er sich niemals entschuldigt. „Ich weiß, dass viele Leute meinen, ich hätte ihn nicht als ‚Hundefutter‘ bezeichnen sollen. Aber ich bereue es nicht“, erklärte Cherry kürzlich in der aktuellen Ausgabe der „Hockey News„.


Dort sprach er sich auch über seine Jugendzeit aus. Über jenen prägende Phase seines Lebens, die ihn zu dem Don Cherry machte, der er heute ist.  Denn so schillernd er mit seinen unzähligen, teils legendären Anzügen und den charakteristischen, stets bis zum Adamsapfel hochgeschlossenen Hemdkragen auch aussieht, so aufgewühlt ist sein Inneres. Sagt er zumindest.


Gebrochen von Eddie Shore


 

Don Cherry war ein gut behütetes Kind und wuchs während der schweren Wirtschaftskrise in den USA in einer intakten Familie auf und entdeckte früh die Liebe zum Eishockey. Die konnte ihm selbst Eddie Shore nicht nehmen, der Cherrys späteres Team, die Springfield Indians, mit seinem Despotismus täglich über den Rand der Verzweiflung hinaustrieb. (Und übrigens der Auslöser für die Gründung der Spielergewerkschaft NHLPA 1967 war.)


Verletzungen ignorierte Shore ebenso wie familiäre Angelegenheiten. „Er war ein absoluter Darth Vader. Unter seinem Regime wurde ich zu dem Don Cherry, der ich heute bin“, verrät der überzeugte Befürworter des Irakkriegs. Unter all diesen Umständen sind seine verbalen Übertritte etwas besser zu verstehen. Letztlich bietet Cherry Fernseh-Unterhaltung. Und das weiß er auch.


Bis der Vertrag uns scheidet


 

Vergangene Woche feierte Don Cherry seinen 75. Geburtstag. Er wird auch weiterhin in Coach’s Corner poltern, schimpfen und für das eine oder andere Skandälchen sorgen. So gerne er auch würde: Bis zu seinem Tod, so ist Cherry überzeugt, wird er diesen Job dennoch nicht ausüben können.


Aber nicht, weil er eines Tages zu schwach dafür sein könnte. Cherry glaubt an einen viel banaleren Grund. „Eines Tages werde ich gefeuert. Daran besteht kein Zweifel.“ Aber selbst das wird ihn nicht stören, denn „dann wird kein Verbaler Ausrutscher daran Schuld sein. Was auch immer ich sage, meine ich auch.“


Vielleicht wünscht er Thomas Vanek ja schon in der kommenden Sendung eine schnelle Genesung – verlassen sollte man sich darauf besser nicht.  Dennoch: Ein Monat Pause für einen Hattrick ist doch eine etwas ungerechte Strafe. Auch wenn sie, wie Cherry überzeugt war, von ganz oben kommt. (rs)

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