Zeit für ein bisschen US-Geschichte: Legislative Meilensteine

Posted in Geschichte, Politik, USA with tags , , , , on 8-März-2009 by rspn

In seiner Grundsatzrede vor dem US-Kongress trug Barack Obama bekanntlich ganz dick auf. Er wolle die USA inmitten der schwersten Wirtschaftskrise seit der Great Depression von Grund auf neu ordnen. „Sein gigantisches, nahezu 800 Milliarden Dollar schweres Paket zur Ankurbelung der amerikanischen Konjunktur trägt bereits die Samen für weitgehende Reformen im Energiesektor und im Bildungs- wie Gesundheitswesen“, schreibt das profil. „Die Märkte sollen schärfer reguliert, die maroden Infrastrukturen instand gesetzt und die öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut werden.“ Überall also werden die Hebel angesetzt, die Schrauben gedreht. Alles soll anders werden. Experten befinden demgemäß, dass die Vereinigten Staaten vor einer der größten Transformationen ihrer Geschichte stehen – vielleicht sogar vor der größten seit 1776. Na bumm!

Vor diesem epochalen Hintergrund, haben wir uns gedacht, schadet es vielleicht nicht, eine Liste mit jenen legislativen Errungenschaften vergangener US-Präsidenten zu kompilieren, die das Land bis zum heutigen Datum am stärksten geprägt und zum Positiven verändert haben. Fünf großartige „Legislative Accomplishments“ haben wir gefunden:

5. Sherman Antitrust Act, Benjamin Harrison, 1890

Die Zeit nach dem Bürgerkrieg 1861-1865 bis etwa zur Jahrhundertwende (vom großartigen Mark Twain ironisierend als „Gilded Age“ verewigt) war die Blütezeit des amerikanischen Turbokapitalismus – jene Ära, welche die größten Monopolisten hervorbrachte, die die Wirtschaftswelt je gesehen hat: die Herren Rockefeller, Vanderbilt, Carnegie, JP Morgan, Gould, Duke und wie sie alle hießen. Lange schaute die Politik dem unlauteren Treiben tatenlos zu bzw. agierte nur überaus schlappschwänzig, wenn es darum ging, die negativen Auswüchse des rapiden Wachstums einzudämmen und die überproportionale Macht der Konzerne zu beschneiden. Erst Präsident Harrison (wie die meisten Präsidenten von nach dem Bürgerkrieg bis zu Franklin D. Roosevelt ein Republikaner) unterzeichnete 1890 das erste Gesetz, mittels dem kartellartige Firmengeflechte, die das freie Spiel der Kräfte ausschalteten, vor den Kadi gebracht werden konnten: den Sherman Antitrust Act, der größtenteils der Anstrengung von Sen. John Sherman aus Ohio zu verdanken ist. Unter Präsident Teddy Roosevelt wurde dieses legislative Instrument tatsächlich oft angewandt und einige Monopole zerschlagen. TRs Nachfolger Taft und Wilson intensivierten den Kampf gegen die großen Konzerne dann sogar noch – ehe unter Harding und Coolidge in den Goldenen Zwanzigern wieder eine ausgeprägte „laissez-faire“-Haltung die Oberhand gewann.

4. Pendleton Act, Chester Arthur, 1883

Als er 1829 Präsident wurde, machte Andrew Jackson eine informelle Praxis zur Besetzung von Regierungsämtern für längere Zeit salonfähig: das „spoils system“. Dieses beruhte darauf, Posten im Weißen Haus nach der erfolgreichen Wahl kurzerhand ohne jegliche Qualitätsprüfung an treue Anhänger, fleißige Wahlhelfer und brave Parteisoldaten zu vergeben. Dass dieser Brauch langfristig einen ordentlichen Sauhaufen an Inkompetenz und Korruption züchtet, versteht sich von selbst. Erst Präsident James Garfield brachte das Thema aufs politische Tapet und erklärte die Reform des Beamtenwesens zu einem Kernstück seiner Administration. Nach seinem Tod (die Folge eines Attentats durch einen Psychopathen, der sich – wie ironisch! – einen „spoils“-Job erhofft hatte, aber enttäuscht wurde), lag es am aufgerückten Vize Chester Arthur, den Pendleton Act zu finalisieren – das tat er im Jänner 1883. Seitdem besteht das Heer der Helferleins des Präsidenten größtenteils aus einer permanenten, unabhängigen Beamtenschaft. Und die wird vor ihrer Ernennung von der Civil Service Commission auf Herz und Nieren gescreent und ist in erster Linie dem Staat – und nicht dem jeweiligen Staatsoberhaupt – verpflichtet. Nur wenige Stellen, darunter das Kabinett und seine engsten Berater, besetzt der Präsident nach wie vor nach eigenem Gutdünken.

to be continued…

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Avery vs. Brodeur: Rückkehr eines Hassduells

Posted in NHL with tags , , , , , on 16-Februar-2009 by rspn

Es lässt sich wohl nicht mehr vermeiden. Sean Avery ist auf dem besten Weg zurück in die NHL. Und das ausgerechnet für die New York Rangers. Das ist sogar noch schlimmer, als wenn ihn Dallas behalten hätte. Averys Transfer zum Wolf Pack nach Hartford ist nur der erste Schritt in Richtung offensichtlicher Zukunft: Spätestens zur Crunch Time in den Playoffs schlüpft die „Pest“ wieder ins alte Blueshirt.

Just am Valentinstag stand der so gar nicht friedliebende Unruhestifter zum ersten Mal seit jenem 2. Dezember, der ihn seine Karriere als Dallas Star gekostet hatte, wieder auf dem Eis. Gab dort prompt den Geläuterten. Und zeigte zugleich, dass er immer noch der Alte ist: „Ich hab ein paar Sachen auf dem Eis gesagt. Aber nichts Schlimmes, oder gar etwas, das der alte Sean gesagt hätte“. Dazu das faule Avery-Grinsen und schon war er wieder da. Keine Frage: Dieser Bursche hat Charisma. Geld und Status alleine reichen (hoffentlich) nicht, um Fische wie Elisha Cuthbert an Land zu ziehen. Wäre Avery in der NBA oder der NFL zuhause, er fiele mit seinen Sager nicht einmal auf. Doch Avery war (und wird es bald wieder sein) Teil der Saubermann-NHL. Keine Major League wird stärker als Familienevent verkauft, nirgends sitzen mehr Kinder an Eisfläche und Fernsehgeräten und suchen sich früh ihre Idole aus. Als Anstachler auf dem Eis mag Avery perfekt sein. Als Vorbild ist er es nicht.

Sean Avery vs. Martin Brodeur, Eastern Conference Viertelfinale 2008

Sean Avery vs. Martin Brodeur, Eastern Conference Viertelfinale 2008

Die Rangers dürfen sich freilich die Hände reiben. Holen sie Avery zurück ins Boot, kommt er ihnen vergleichsweise günstig. Verscherbelt um 15,5 Millionen US-Dollar – definitiv weit über seinem Marktwert (genialer im Vermarkten als Avery selbst ist nur noch sein Agent Pat Morris, der wohl auch einem Milchbauern Kuhdung zu völlig überzogenen Preisen andrehen könnte) – können sie ihn jetzt als Schnäppchen zurückholen. Das Regelwerk der NHL will es so, dass ein aus der höchsten Spielklasse in die AHL abgeschobener Spieler bei seinem Wiedereinstieg in die Liga für ein anderes Team weiterhin das Salär aus seinem Vertrag bekommt. Der Witz daran, den die Stars schon lange nicht mehr lustig finden: Das alte und das neue Team finanzieren den Spieler für den Rest seiner Vertragsdauer zu gleichen Teilen. Die Dallas Stars dürfen sich demnach schon darauf freuen, in den kommenden drei Saisonen insgesamt sechs Millionen Dollar dafür hinzublättern, dass Avery sein Unwesen wieder in Manhattan treibt. Sein Einsatz bei den Rangers ist wohl nur noch eine Frage der (kurzen) Zeit. Ein lachendes Auge bleibt dennoch: Hatten die Stars (immerhin als Cup Contender gehandelt!) vor dem 2. Dezember einen inferioren 8-11-4-Start, sind sie Avery-los höchst erfolgreich (aktuell steht das Team bei einem Record von 19-10-3). Lieber zwei Millionen pro Jahr für ein Phantom ausgeben und erfolgreich sein, als das Doppelte für jemanden hinzublättern, der das gesamte Team hinunterzieht.

Sean Avery ist nicht der einzige prominente Rückkehrer dieser Tage. Auch Martin Brodeur steht kurz vor seinem ersten Spiel seit seiner Bizeps-Verletzung im November. Mit dem plötzliche Aus ihres Goalies standen die New Jersey Devils medial vor dem Abgrund – und fliegen heute höher, als sie es sich wohl selbst erwartet hätten. Brodeurs Backup Scott Clemmensen vertrat die lebende Torhüter-Legende mehr als würdig und wird es Coach Brent Sutter um einiges leichter machen, Brodeur nicht gleich ab ende Februar wieder voll einzusetzen. Dennoch: Spätestens Mitte April, wenn die Playoffs beginnen, wird sich Clemmensen endgültig wieder sein Platzerl auf der Ersatzbank einrichten und seinen Sommerschlaf beginnen dürfen. Brodeur und Avery sind wieder dick da, wenn es in der NHL so richtig ernst wird: Keine schwierige Prognose. Für die Rivalität zwischen Rangers und Devils eine Extraportion Schießpulver, war es doch Sean Avery, der mit seinem unsportlichen Verhalten vor Brodeurs Tor in der vergangenen Postseason sogar für die Einführung eines eigenen Regel, der „Sean Avery Rule“ gesorgt hatte.

Brodeur gab nach dem schnellen Ausscheiden seiner Devils zu, der Medienhype rund um sein Duell mit Avery hätte ihn nervlich zerfressen und an seinem Spiel genagt. Keine gute Voraussetzung für die in diesem Jahr so selbstsicher und eingespielt wirkenden Devils. Denn dass sich diese beiden Teams auch in den kommenden Playoffs irgendwann gegenüberstehen werden, ist nicht unwahrscheinlich. Und Averys diabolisches Grinsen wieder ständig im Blickfeld zu haben, wird Brodeur dann mehr schmerzen, als seine Ellbogenverletzung vermutlich jemals zustande gebracht hat.“

„Ich hab’s ja gesagt“

Posted in NHL with tags , , , on 15-Februar-2009 by rspn

Wenig überraschend: Don Cherrys Entschuldigung an Thomas Vanek, Lindy Ruff und die Buffalo Sabres für seinen Sager der vergangenen Woche blieb aus. Mehr noch: Eine Woche danach schießt er ein „Ich hab’s ja gesagt“  hintennach. Die Hockeygötter stehen eben auf seiner Seite und nicht auf der der Sabres.

Don Cherry,  wir lieben dich!

Hier übrigens der Save der Saison. Auch wenn Marc-Andre Fleury die Pittsburgh Penguins damit auch nicht mehr vor der Niederlage in Toronto bewahren konnte.

(rs)

NBA All-Stars: Dunking-Zwerg, Soul-Gigant

Posted in Music, NBA with tags , , , on 15-Februar-2009 by rspn

Ein besonderes US-Sport-Zuckerl wird uns in der Nacht auf Montag vom Zweiten Deutschen Fernsehen serviert: das NBA All-Star Game live aus Phoenix, Arizona. ZDF steigt um 02:20 Uhr ein, das Geschehen wird uns von Norbert Galeske dargebracht. Es handelt sich dabei klarerweise um ein Manöver, mittels dem man die ausgehungerten deutschen NBA- und Nowitzki-Fans positiv stimmen und – vielleicht überlegt man in Mainz ja sogar, künftig mehr von der weltweit boomenden Liga (China!) einzukaufen – einmal das Quotenpotenzial zu nachtschlafender Stunde auszuloten will. Nowitzki ist übrigens im Team seiner Western Conference als Reservist genannt, wird aber zu gebührender Einsatzzeit kommen.

Der sportliche Aussagewert des All-Star Game ist natürlich gleich null und unbedeutend. Nur in den seltensten Fällen erinnert sich jemand ein Jahr später, ob das vorangegangene Spiel East oder West gewonnen hat. Doch dafür bietet es die einmalige Chance, die größten Namen der NBA komprimiert und in Bestform zu sehen – und hat deswegen geradezu Must-see-Charakter. Das All-Star Game ist gewissermaßen wie ein kurzer Werbefilm mit einem Feuerwerk an Offensiv-Highlights, mit den besten Szenen der besten Spieler. Natürlich etwas verzerrend, aber herrlich anzuschauen!

Im Vorfeld des großen Happenings finden jedes Jahr auch kleinere Events statt, die Stimmung anheizen und Profit maximieren sollen. Das Spiel der Rookies gegen die Sophomores (also die NBA-Akteure in ihrem zweiten Jahr) gehört dazu; ebenso der Dunk Contest, den 2008 Orlando-Center Dwight Howard mit seiner spektakulären Faschings-Show dominierte, bei der er sich als Superman verkleidete.

2009 holte sich einer der kleinsten Spieler der NBA den prestigeträchtigen Award, und das bereits zum zweiten Mal in seiner Karriere. 1,75-Meter-Sprungwunder Nate Robinson von den miesen New York Knicks finalisierte seinen knappen Sieg mit einem sensationellen Flug ausgerechnet über den dadurch enthronten Titelverteidiger Dwight Howard (siehe Video). Respekt. Im nächsten Jahr wird er seinen Titel gegen den wahren Superman, LeBron James, verteidigen müssen. Und „King James“ wird sich bestimmt was Königliches einfallen lassen…

Zum Abschluss sei noch auf einen anderen besonderen Moment in der Geschichte des All-Star Game hingewiesen. Bei jeder wichtigen Sportveranstaltung in den USA wird ja vor Beginn des eigentlichen Spiels/Rennens etc. hochoffiziell die Hymne zelebriert. Je „heiliger“ der Anlass, desto größer die Show und die Künstler, die zum Live-Absingen bestellt werden. Das All-Star Game 1983 im berühmten Forum, der alten Lakers-Heimstätte, war ein sehr heiliger Anlass – sonst wäre wohl kaum Soul-Legende Marvin Gaye angedackelt, der dann die definitiv coolste, souligste, berührendste Version des Star Spanngled Banner ever zum Besten gab. Man kann sie quasi als historische Antwort und Gegenstück zur dystonalen, aufrüttelnden Woodstock-Variante von Jimi Hendrix verstehen. Sensationell gut, beeindruckend und absolut hörenswert sind beide.

Die Heilung des englischen Patienten

Posted in David Beckham, Fußball, Major League Soccer with tags , , , on 15-Februar-2009 by rspn

Wenn heute abend das Mailänder Derby angekickt wird, steht erstmals in der langen Geschichte dieser Veranstaltung ein ganz bestimmter Mann im Mittelpunkt. Einer, der auf der globalen Fußballbühne notorisch bekannt dafür ist, im Mittelpunkt zu stehen. (Zwar nicht wegen seiner fußballerischen Kunst, aber das sind auch keine News mehr). Die Rede ist natürlich von David Beckham – dem mitunter verloren wirkenden Vagabund zwischen den Welten Sport, Popkultur und Gossip, zu dem ihn seine nicht mehr unterbietbare, völlig talentfreie Frau gemacht hat. Nach den neuesten Entwicklungen wird Beckham ja seinen für beide Seiten ach so glückseligen Leihaufenthalt beim AC Milan wie urpsrünglich geplant doch Anfang März beenden müssen. Sprich: Er wird zu Los Angeles Galaxy in die Major League Soccer zurückkehren und die dortige neue Saison in Angriff nehmen.

Europäische Zeitungen von The Sun abwärts melden zwar – übrigens ohne mit den in diesem Fall entscheidenden Figuren in den USA Kontakt zu halten -, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen sei. Mit einer signifikant aufgefetteten Offerte könnten die Mailänder die Herren jenseits des Atlantiks doch noch überreden, wird spekuliert. Doch die Wahrscheinlichkeit hierfür ist äußerst gering. Galaxy und die MLS haben formal-juristisch alle Fäden in der Hand, und sie werden von ihrem Standpunkt nicht so mir-nichts-dir-nichts abgehen. Für die Liga und den Klub ist Beckham ein fast existenziell wichtiger Business-Parameter – was auch dezidiert so gesagt wird. Tim Leiweke, gewiefter Chef von Galaxy-Eigentümer AEG (Anschutz Entertainment Group) – und nur nebenbei: jener entscheidende Strippenzieher, der den Beckham-nach-Amerika-Coup eingefädelt, orchestriert und meisterhaft abgeschlossen hat – teilte der Associated Press folgendes mit:

„They (Milan; Anm.) clearly were looking at this as a football decision and we were looking at this as a football and business decision. I’m not sure they ever quite understood the magnitude of the losses the Galaxy and the league would have had to bear this season.“

Das sagt alles. Galaxy verdient nur als Beckham-Show Millionen – und zwar unabhängig vom auf dem Rasen Gezeigten, das wenig Ähnlichkeit mit der zielgerichteten Aktivität Fußball hat, wie man sie in unseren Breitengraden kennt. Milan müsste sich finanziell schon bis an die Decke strecken, und Beckham selbst müsste bei Leiweke, mit dem er sehr eng ist, auf die softe Tour vorsprechen und ihm seine Sicht der Dinge klarmachen. Dann könnte es noch klappen. (Interessant ist allerdings folgendes Gedankenspiel: Falls a) Milan Beckham doch sofort landen kann und b) Bayern München plötzlich mit dessen Klubkollegen Landon Donovan genauso verfahren will, stünde die MLS vor einem gigantischen Dilemma: Soll man mit Donovan auch den zweiten der einzigen beiden Stars, den die Liga besitzt, ziehen lassen? Das würde dem Produkt MLS enorme Schäden einbringen, Verluste wären programmiert. Will man andererseits Donovan die Chance nehmen, der bis dato bekannteste, beste und in Europa erfolgreichste US-Kicker aller Zeiten zu werden? Ein Donovan, der bei Bayern reüssiert, würde Soccer einen riesigen Push geben und über Rückkopplungseffekte letztlich auch der heimischen Liga Flügel verleihen…)

Wie auch immer. Am Ende lässt sich aus dem ganzen Kerfuffle (wie der gemeine Engländer so schön sagt) eine interessante und positive Erkenntnis destillieren: Beckham hat eingesehen, dass sein Wechsel ein Fehlgriff war. Er wollt sich’s ja in Hollywood gemütlich machen: von seinen Sponsoren unverschämte Summen kassieren, am Abend die L.A. Lakers schauen gehen, vielleicht ein paar wertlose MLS-Titel gewinnen und nebenbei zur US-Berühmtheit aufsteigen (wobei letztgenanntes vor allem auf der Agenda von Gattin Victoria stand). Der Fußballer David Beckham jedoch ist im Juli 2007 schwer erkrankt, de facto in einen wachkomatösen Zustand gekippt.

Dass er als Entwicklungshelfer einer athletisch nicht schlechten, aber technisch und taktisch massiv rückständigen Liga (wer’s nicht glaubt, soll sich im Frühjahr ein paar MLS-Stream reinziehen) fungieren wollte, ehrt ihn zwar. Aber dass er diese Mammutaufgabe alleine packen hätte können, war ein realitätsferner Denkfehler der MLS-Oberen und von ihm selbst. Becks hat sich in eine ziemlich virtuelle Fußballwelt zurückgezogen, dabei hatte und hat er dem Spiel noch immer eine Menge zu geben. Jetzt reifte die Einsicht, dass man das nur in Europa tun kann. Der AC Milan hat seine Selbstheilung in die Wege geleitet, dafür gebührt ihm Lob und Dank.

Next up: Nach seiner Rückkehr in die Staaten kann Beckham dort gleich die Abschiedstournee starten. Nach der kommenden MLS-Saison kann er die Option ziehen, einseitig aus seinem 5-Jahres-Vertrag auszusteigen. Wohin die Tendenz geht, darf sich jeder selbst zusammenreimen. Und nach seiner Performance im Milan-Dress wird das Interesse europäischer Topklubs zum fraglichen Zeitpunkt, Herbst 2009, nicht gering sein.

Der Coach, der Hattrick und die Strafe der Hockeygötter

Posted in NHL with tags , , , on 11-Februar-2009 by rspn

Thomas Vanek wurde also von ganz oben bestraft. Das ist zumindest die Meinung von CBC-Lästermaul Don Cherry, der sie in seiner allsamstäglichen Drittelpausen-Show „Coach’s Corner“ in den Äther gepoltert hat. „Die Eishockey-Götter werden dich bestrafen, wenn du  versuchst, das Ergebnis gegen ein hilfloses Team mit einem Rookie-Goalie in die Höhe zu treiben“.


 

(Ab 3:30 Minuten wird’s interessant. Das heißt natürlich nicht, dass Don Cherry davor noch nicht geschimpft hätte.)


 

Cherry richtete seine Kritk nicht nur gegen den Topscorer der Buffalo Sabres, sondern auch gegen dessen Coach Lindy Ruff. Dass ihn mit Ruff eine langjährige Freundschaft verbindet, störte Cherry in diesem Moment freilich wenig.


Schimpf ohne Schande


 

Aber auch im Nachhinein tut dem Ex-Coach der Boston Bruins selten etwas leid, was er live auf Sendung gesagt hat. Selbst für seine Kritik an Alpo Suhonen, 2000 Trainer der Blackhawks, hat er sich niemals entschuldigt. „Ich weiß, dass viele Leute meinen, ich hätte ihn nicht als ‚Hundefutter‘ bezeichnen sollen. Aber ich bereue es nicht“, erklärte Cherry kürzlich in der aktuellen Ausgabe der „Hockey News„.


Dort sprach er sich auch über seine Jugendzeit aus. Über jenen prägende Phase seines Lebens, die ihn zu dem Don Cherry machte, der er heute ist.  Denn so schillernd er mit seinen unzähligen, teils legendären Anzügen und den charakteristischen, stets bis zum Adamsapfel hochgeschlossenen Hemdkragen auch aussieht, so aufgewühlt ist sein Inneres. Sagt er zumindest.


Gebrochen von Eddie Shore


 

Don Cherry war ein gut behütetes Kind und wuchs während der schweren Wirtschaftskrise in den USA in einer intakten Familie auf und entdeckte früh die Liebe zum Eishockey. Die konnte ihm selbst Eddie Shore nicht nehmen, der Cherrys späteres Team, die Springfield Indians, mit seinem Despotismus täglich über den Rand der Verzweiflung hinaustrieb. (Und übrigens der Auslöser für die Gründung der Spielergewerkschaft NHLPA 1967 war.)


Verletzungen ignorierte Shore ebenso wie familiäre Angelegenheiten. „Er war ein absoluter Darth Vader. Unter seinem Regime wurde ich zu dem Don Cherry, der ich heute bin“, verrät der überzeugte Befürworter des Irakkriegs. Unter all diesen Umständen sind seine verbalen Übertritte etwas besser zu verstehen. Letztlich bietet Cherry Fernseh-Unterhaltung. Und das weiß er auch.


Bis der Vertrag uns scheidet


 

Vergangene Woche feierte Don Cherry seinen 75. Geburtstag. Er wird auch weiterhin in Coach’s Corner poltern, schimpfen und für das eine oder andere Skandälchen sorgen. So gerne er auch würde: Bis zu seinem Tod, so ist Cherry überzeugt, wird er diesen Job dennoch nicht ausüben können.


Aber nicht, weil er eines Tages zu schwach dafür sein könnte. Cherry glaubt an einen viel banaleren Grund. „Eines Tages werde ich gefeuert. Daran besteht kein Zweifel.“ Aber selbst das wird ihn nicht stören, denn „dann wird kein Verbaler Ausrutscher daran Schuld sein. Was auch immer ich sage, meine ich auch.“


Vielleicht wünscht er Thomas Vanek ja schon in der kommenden Sendung eine schnelle Genesung – verlassen sollte man sich darauf besser nicht.  Dennoch: Ein Monat Pause für einen Hattrick ist doch eine etwas ungerechte Strafe. Auch wenn sie, wie Cherry überzeugt war, von ganz oben kommt. (rs)

Hello world! oder: Mission Statement

Posted in In eigener Sache on 6-Februar-2009 by rspn

Willkommen auf rspn! Diesem Blog wurde das Leben geschenkt, um künftig flott und easy vor allem über Sport, grundsätzlich aber über eine breite Palette von Themen (wie Musik, Film und Fernsehen, Gastronomie, Lifestyle oder Technik) informieren, unterhalten, zerstreuen und zur Diskussion anregen zu können. Weil wir das so wollen, werden häufig die großen US-Ligen NBA, NHL und NFL im Mittelpunkt stehen. Allerdings nicht ohne die österreichischen, deutschen, britischen, französischen, italienischen, europäischen, globalen Verhältnisse ausgiebig zu würdigen. Erstgenannte werden wir noch dazu mit einigen Seitenblicken hinter die Kulissen und mitunter heiteren Auszügen aus dem beruflichen Alltag würzen soweit es die vorgeschriebene Diskretion erlaubt.

In den nächsten Tagen und Wochen wird der Blog ein cooles, flottes Erscheinungsbild verpasst bekommen und in allen Bereichen Schritt für Schritt hochgefahren werden. Seien Sie also schon jetzt gespannt, was da alles kommen wird wir sind es auch!  Und, ganz nach Karl Farkas: Schauen Sie sich das an!